Liebe BesucherInnen,
seit mehr als vier Jahren unterstützen wir den interreligiösen und intraislamischen Dialog. Mit diesem ehrenamtlichen Engagement sind leider begrenzte Kapazitäten verbunden, was ein reibungsloses Fortführen des Projektes zunehmend erschwert. Aus diesem Grund ist es uns nicht mehr möglich, das Projekt in dieser Form weiter zu betreiben. Künftig wird unser Hauptreferent Muhammad Sameer Murtaza sein Engagement gänzlich bei der Stiftung Weltethos fortsetzen: www.weltethos.org.
Als Ergebnis unserer bisherigen Anstrengungen möchten wir auf folgende Publikation verweisen: Islamische Philosophie und die Gegenwartsprobleme der Muslime.
Das Eine-Menschheit Team
Chancen und Grenzen des Dialogs
Unsere heutige Welt wird im Zeitalter der Globalisierung oft umschrieben als ein globales Dorf oder man spricht von einem Zusammenrücken der Welt. Mag dies hinsichtlich Ökonomie und Materialismus stimmen, so bleiben andere Kulturen und andere Religionen immer noch weitgehend unbekannte Größen.
Dieses Zeitalter der Mobilität, des Vernetzens und der Umbrüche lässt die Weltreligionen nicht unberührt. Auch sie sind nun zusammengerückt und begegnen oder stoßen in diesem globalen Dorf in einem bisher nie dagewesenen Maß aufeinander.
Zugleich erleben wir, dass nicht wenige Menschen der Moderne gegenüber – die ja in Europa im Widerstand zur katholischen Kirche und damit der Religion sich entwickelte – skeptisch eingestellt sind. Sie treten in eine Phase der Postmoderne ein, in der der Mensch nach Harmonie zwischen seinen spirituellen Bedürfnissen, aber auch seinen materiellen Bedürfnissen, nach Harmonie zwischen weltlicher und metaphysischer Erkenntnis, nach Harmonie zwischen Diesseits und Jenseits strebt. Und tatsächlich erleben wir vor allem im Islam, aber auch im Judentum und Christentum eine Re-Besinnung auf Religion. Diese Re-Besinnung hat in allen Religionen zwei verschiedene Formen angenommen. Zum einen erleben wir Religion als reaktionäres „Wir gegen die Welt“, als Gegenbewegung zur Globalisierung und Homologisierung, also der weltweiten Gleichmacherei. Doch dieser Trend wird oft begleitet von einem Religionschauvinismus, religiöser Ignoranz, Intoleranz und Abkapselung. Zum anderen erleben wir auch eine verantwortliche Re-Besinnung auf Religion, die ein integratives „Wir mit der Welt“ ist.
Abraham trennt, Abraham eint
"Juden und Muslime in Deutschland haben gemeinsame Interessen"
Historisches Treffen zwischen Vertretern der der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)
Zum ersten Mal, seit Gründung der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland trafen sich vorgestern Vertreter des Zentralrates der Muslime und der ORD zu einem ersten Gespräch.
Zentrales Thema dieses ersten Dialoges auf Bundesebene war das Kennenlernen beider Seiten, um den künftigen Dialog zwischen den beiden Organisationen weiter zu intensivieren und sich über gemeinsame Interessen und Probleme auszutauschen.
„Deutschland ist unser aller Zuhause. In vielen Städten dieses Landes leben Juden und Muslime Seite an Seite. Unsere beiden Gemeinschaften sind wichtige Elemente des religiösen, kulturellen und sozialen Lebens in Deutschland. Der Dialog zwischen Juden und Muslimen ist für die ORD ein Baustein gemeinsamen Zusammenlebens, welcher bisher auf lokaler und europäischer Ebene stattfand und nun auch auf Bundesebene Präsenz finden soll“, hieß es in einer gemeinsamen verfassten Stellungnahme von ZMD und ORD.
Von Seiten des ORD nahmen die Rabbiner Julien-Chaim Soussan, Jaron Engelmayer und Avichai Apel. Von Seiten des ZMD kamen die Generalsekretärin Nurhan Soykan un der Stellvertretender Vorsitzende Yakup Tufan.
Die gelebte Toleranz
Juden, Christen und Muslime tragen eine Weltverantwortung. Sie müssen sich aktiv um den Frieden bemühen.
„Können die Weltreligionen noch einen Beitrag zum Frieden leisten?“, fragt der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza. Er geht davon aus, dass mit der Rückbesinnung auf Religion in allen Teilen der Welt auch längst überwunden geglaubte Konflikte zurück kehren – von Religionschauvinismus bis hin zu religiösem Hass. Wenn Christentum, Judentum und Islam aber einen Beitrag zum Frieden leisten sollen, dann müssen alle an einem Strang ziehen und sich auf ihre grundlegenden Werte besinnen.
Grundgesetz im (Migrations-)Vordergrund

Zentralrat startet Projekt "Grundgesetz im (Migrations-) Vordergrund“ und macht sich für unser republikanisch-demokratisches Staatswesen stark - Lob vom Bundespräsidenten Christian Wulff und Cem Özdemir.
Heute startet das Projekt „Das Grundgesetz im (Migrations-) Vordergrund“, wodurch Muslimen, insbesondere Jugendlichen in den Moscheen, unser republikanisch-demokratisches Staatswesen näher gebracht werden soll.
„Als wir im letzten Herbst durch die Anschlagsserie auf deutsche Moscheen einerseits und die ernst zu nehmenden Terrorwarnungen andererseits die Imame und Vorsteher unserer angeschlossenen Moscheevereine und Gemeinden dazu aufriefen, die „Verteidigung unserer freiheitlichen Grundordnung“ (siehe Pressemitteilung vom 25.11.10) zum Thema der Freitagspredigten zu machen, wurden wir durch die sehr positive Resonanz ermutigt diese Initiative und Arbeit fortzusetzen“, kommentierte heute der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek diese Aktion.
Bundespräsident Christian Wulff und der Vorsitzende der Bündnis90/Die Grünen Cem Özdemir haben diese Initiative des Zentralrates der Muslime in Deutschland (ZMD) wegen seines bürgerlichen und nachhaltigen Engagements, gewürdigt (siehe dazu: http://islam.de/17495.php).
Der Islam- und Politikwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza wird das Projekt mit seinen wöchentlich erscheinenden Essays redaktionell begleiten und dazu beitragen, dass im Internet eine rege Diskussionen daraus entsteht. Die angeschlossenen Moscheevereine werden dann im Anschluss das Projekt als Handreichung für die Gemeinden aufbereiten und in die Gemeinschaft weitertragen.
Muslime und Juden im Gespräch
Die Spitzenleute des Zentralrats der Juden in Deutschland und des Zentralrats der Muslime haben sich positiv über ihre Gespräche an diesem Sonntag geäußert. Beim Treffen ging es um Islamfeindschaft und Antisemitismus.
Berlin/Frankfurt am Main - Muslime und Juden in Deutschland haben am Sonntag offiziell und auf höchster Ebene Kontakte geknüpft. Erstmals nahmen an einer Vorstandssitzung des Zentralrats der Juden in Deutschland in Frankfurt am Main auch zwei Vertreter des Zentralrats der Muslime und Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, teil.
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, zeigte sich anschließend zufrieden mit diesem ersten hochrangigen Treffen, zu dem der seit November amtierende Vorsitzende des jüdischen Zentralrats, Dieter Graumann, eingeladen hatte. Das Gespräch sei "sehr kritisch und sehr konstruktiv" gewesen.
Man habe offen über Islamfeindschaft und Antisemitismus sowohl in der Gesellschaft insgesamt als auch in den eigenen Communities gesprochen, sagte Mazyek dem Tagesspiegel. "Es wurde nichts ausgespart." Graumann nannte den Austausch "sehr offen, fair, ehrlich und direkt". Man sei freundlich miteinander umgegangen, aber man habe Probleme auch nicht mit Freundlichkeit zugekleistert, sagte er dem Tagesspiegel. "Unsere Gäste haben sich viel Kritisches angehört." Man sei zum Beispiel sehr besorgt über den Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen. "Wir hoffen, dass auch die muslimischen Verbände mehr dagegen tun; das wurde uns versichert."
Das Treffen vom Sonntag solle nach dem Willen beider Seiten "keine Eintagsfliege" bleiben, sondern zu einer ständigen Einrichtung werden, sagte Mazyek. Man habe für eine der nächsten Vollversammlungen des Zentralrats der Muslime zum Gegenbesuch eingeladen. Graumann wünscht sich einen Dialog auf Dauer, zu dem man auch andere muslimische Verbände einladen werde. Er selbst habe dies in der ersten Sitzung des Direktoriums nach seiner Wahl angeregt, den Wunsch nach engeren Kontakten gebe es aber bei vielen in der Führung des Zentralrats der Juden. Die Gespräche am Sonntag, so Graumann, seien "ein guter Beginn" gewesen.
Die guten Kontakte der Verbände unterhalb der Chefebene sind freilich schon etwas älter. Stephan Kramer etwa, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, reiste als eine der ersten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens nach dem Mord an der Ägypterin Marwa El-Sharbini nach Dresden und forderte die Politik zu klareren Stellungnahmen gegen Islamophobie auf. Auch zu der Serie von Anschläge gegen Berliner Moscheen hatte sich der Zentralrat zu Wort gemeldet. Graumann erwähnt die Sarrazin-Debatte, in der man sich früh für die muslimischen Freunde engagiert habe - "was uns nicht nur Freunde gemacht hat".
Nach Ansicht Mazyeks wachsen die Gemeinsamkeiten: Es gebe auf beiden Seiten womöglich "eine größere Sensibilität für Rassismus", aber auch dafür, dass der nicht allein ein jüdisch-muslimisches Thema, sondern eine Gefahr für die Demokratie insgesamt sei. Ihn habe der jüngste Anschlag auf die neue Mainzer Synagoge schockiert, sagt Mazyek - auch wegen ihres Echos in der Öffentlichkeit: "Es passierte wenig. Vor zehn Jahren hätten die Medien noch ganz anders darauf reagiert. Die Gesellschaft springt auf diese Themen nicht mehr an wie früher."
Quelle: www.tagesspiegel.de
Adam und der Universalismus in Tora und Qur'an
Diesseitige Toleranz und jenseitiges Heil am Beispiel der Noah-Erzählung
Gemeinsam statt einsam - Von Murad Wilfried Hofmann
Stolpersteine auf dem Weg zum christlich-islamischen Verständnis
Mein Thema ist pessimistisch, indem es von einem holprigen Weg ausgeht, auf dem man stolpern kann. Doch schlussendlich ist es optimistisch, indem es von einem künftigen Verständnis, ja Zusammenwirken, zwischen den beiden Religionen ausgeht - und dies zu Recht.
Beginnen wir denn mit den Stolpersteinen, die beide Seiten auf ihrem Weg zueinander platziert haben. Davon gibt es einige. Weshalb es voreilig - obgleich berechtigt - wäre, nach dem etwas utopischen, jedenfalls unhistorischen, christlich-jüdischen Modell bereits von einem christlich-islamischen Vermächtnis zu sprechen. Doch davon zu träumen, ist angesichts der Religionsentwicklung in Europa erlaubt; denn so konfrontativ, ja blutrünstig die hiesige Religionsgeschichte auch war, steht sie doch der heutigen Ökumene nicht im Wege.
Wie früher die christlichen Konfessionen bleiben sich Christen und Muslime wegen gewichtiger historischer Hypotheken weiterhin fremd.
1. Auf christlicher Seite begann die Konfrontation sehr früh, nämlich im Entstehungsjahrhundert des Islam, mit seiner Verteufelung durch Johannes von Damaskus. Dessen Polemik setzte sich fort, so bei Dante Alighieri, der Muhammad bekanntlich in der Divina Comedia in den tiefsten Höllenpfuhl verbannte.
Hass auf alles Islamische war auch die Mentalität der Kreuzfahrer, angefacht von einem Heiligen, Bernhard von Clairvaux. Die Kreuzritter zeigten gleichwohl vor allem gegenüber Salah ad-Din und der ihnen überlegenen muslimischen Zivilisation hohen Respekt.
Glaube, Religion und Wissenschaft
"Lasst uns die Feindbilder auf beiden Seiten einreißen"
Ein Plädoyer für Besonnenheit, Differenzierung und Dialog - Kraftanstrengung von Muslimen und Juden ist jetzt gefordert - Von Muhammad Sameer Murtaza
"Wir können nicht immer warten"
Der Kirchenkritiker erklärt, warum er die katholische Kirche trotz allem liebt, Joseph Ratzinger ein Feind der Moderne ist und selbst zwar die Schlacht, aber nicht den Krieg verloren hat.
taz: Herr Küng, kann man heute eigentlich noch Mitglied einer Kirche sein, beispielsweise der katholischen?
Hans Küng: Ja. Und ich bin es auch nach wie vor aus Überzeugung. Aber nicht, um der Hierarchie zu dienen, sondern den Menschen.
taz: Sie haben 30 Jahre Kampf gegen die Hierarchie hinter sich. Sind Sie dieses Kampfes nicht langsam müde?
Küng: Im Gegenteil, es ist immer wieder neu spannend.
taz: Spannend?
Küng: Ja, denn zurzeit leben wir in einer Wende, die ich lange erwartet habe. Eine Wende, die neue Möglichkeiten eröffnet, wie sie im Zweiten Vatikanischen Konzil vor bald 50 Jahren angelegt wurden, nämlich die Kirche näher an das Evangelium zu bringen und sie so von der Starrheit und der Lebensferne zu befreien.
Die Religion als Ressource
Die Wirtschaft wird auch vom Glauben ihrer Akteure geprägt. Religionen sind, so zeigt es eine Tagung in Bonn, kein ökonomischer Störfaktor. Sie dienen vielmehr als Mittel zur Selbstdisziplin und Entlastung von einer allzu diesseitigen Fixierung auf Erfolg.
von Frank Wiebe
BONN. Der Prophet Mohammed weigerte sich, das Totengebet zu sprechen, bevor die Familie eines Verstorbenen seine Schulden beglichen hatte. An diesem Beispiel machte Michael Saleh Gassner auf einer Tagung des Deutschen Netzwerks für Wirtschaftsethik deutlich, worum es beim Zinsverbot der Scharia, der islamischen Rechtslehre, geht. Kredite seien erlaubt, zum Beispiel in Form von Zahlungsaufschub, sagte Gassner, der als Berater im Bereich des „Islamic Banking“ arbeitet. Die Scharia wolle aber verhindern, dass Finanzgeschäfte losgelöst von der realen Wirtschaft getätigt und Schulden – wie in der aktuellen Krise – zu einer erdrückenden Last werden.
Auf der Bonner Tagung „Religion: Störfaktor und Ressource in der Wirtschaft“ wurde vor allem der positive Beitrag betont, den Religion leisten kann: als Mittel zur Selbstdisziplin, Quelle der Inspiration, Grundlage für kontrollierende Normen, aber auch als Entlastung von einer allzu diesseitigen Fixierung auf Erfolg. Dabei zeigte sich, dass die verschiedenen Religionen ähnliche Ziele verfolgen, aber sehr unterschiedliche Mittel haben. Der Islam setzt auf klare Regeln wie das Zinsverbot, steht aber ansonsten wirtschaftlichem Geschehen positiv gegenüber.
"Sympathien für den Menschen Joseph Ratzinger"
Vergebene Chancen zeichnen das Pontifikat Benedikts XVI. aus. Kirchenkritiker Hans Küng erklärt, weshalb die Kirche eine neue Reformpolitik braucht, die auch Laientheologen ordiniert. Das Petrusamt wird nicht fallen, der päpstliche Absolutismus hingegen schon.
Im Gespräch mit Hans Küng
The European: Sie haben in einem offenen Brief die Bischöfe aufgefordert, dem Papst die Treue aufzukündigen und sich regional auf Lösungen, zum Beispiel der Zölibatsproblematik zu verständigen. Warum?
Küng: Es ist falsch zu sagen, dass ich die Bischöfe aufgefordert habe, dem Papst die Treue zu kündigen. Im Gegenteil, sie sollen dem Papst die Treue halten, aber sie sollen gleichzeitig Kritik offen aussprechen. Das war meine erste Bitte an die Bischöfe. Die zweite Bitte war: Sie müssen Reformen in der Kirche durchsetzen. Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen und Gott und dem Evangelium mehr als dem Papst.
The European: Im Moment entsteht der Eindruck, die katholische Kirche hätte mit Benedikt XVI. den schlimmsten Papst seit Jahrhunderten. Wer die Kirchengeschichte kennt, kann dem kaum zustimmen.
Küng: Ja, das wäre völliger Unsinn. Es gab Päpste, vor allem im 10. Jahrhundert und in der Renaissance, die man als unmoralisch, ja verbrecherisch bezeichnen muss. Papst Benedikt mit diesen auch nur ansatzweise zu vergleichen ist völlig unstatthaft. Das schließt aber nicht aus, dass man aus Papst Benedikts bisherigem Pontifikat eine kritische Bilanz ziehen muss.
Die Geburt von Moral und Recht nach Tora und Qur'an
Das westliche Vermächtnis

„Betrachten Sie sich einmal eine Karte des Irak und vergleichen Sie diese mit einer Karte von Deutschland. Nun blicken Sie bitte auf Syrien und die Nordgrenze Saudi-Arabiens [...], auf Ägypten, Libyen, Algerien, Mauretanien und Sie werden aus dem Staunen nicht herauskommen. Verglichen mit unserem Deutschland scheinen die Landesgrenzen geradezu mit Bleistift und Lineal gezogen worden zu sein. Es scheint nicht nur so, es ist auch so.“
Mit diesen Worten stimmt der Autor Muhammad Sameer Murtaza in seinem Vorwort zur mittlerweile vierten Auflage den Leser auf sein Werk „Lawrence von Arabien und die Neugestaltung des Nahen Ostens“ ein. Schnell wird klar: Dieses Buch handelt nicht nur einfach von der Biographie einer berühmten geschichtlichen Person, sondern auch zugleich von den Ursprüngen des heutigen Nahostkonfliktes.















