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Das Judentum

„Was ist das Judentum? Zuallererst ist es kein Monolith. Es gibt nicht „das" Judentum, ebenso wenig wie es „das" Christentum oder „den" Islam gibt. Auch „den" Juden gibt es nicht. So wie es auch nicht „den" Christen oder „den" Muslim gibt. Ein signifikanter Unterschied zwischen dem Christentum und dem Islam auf der einen Seite und dem Judentum auf der anderen ist die Tatsache, dass das Judentum eine ethnische, eine Volksreligion ist. Hans Küng schreibt über das Rätsel Judentum:

„- Ein Staat und doch keiner! Warum nicht? Weil seit dem Babylonischen Exil (586 v. Chr.) ein Großteil und seit dem zweiten Jahrhundert n. Chr. bis heute sogar der weitaus größere Teil der Juden außerhalb des „Heiligen Landes" lebt (...).

- Ein Volk und doch keines! Warum nicht? Weil dieses Volk wie kein anderes eine internationale Größe ist. Zahllose Juden fühlen sich politisch und kulturell als Amerikaner, Engländer, Franzosen, auch Deutsche und keinesfalls als „Auslandsisraelis".

- Eine Rasse und doch keine! Warum nicht? Weil schon seit spätrömischer Zeit Menschen aus allen möglichen Stämmen und Völkern durch Heirat oder Konversion Juden geworden sind, manche Ostjuden etwa vom Turkvolk der Chasaren und wieder andere von den schwarzen Falaschas in Äthiopien abstammen und das heutige Israel so ein offensichtlicher vielrassiger Staat geworden ist mit Menschen aller möglichen Haut-, Haar-, und Augenfarbe.

- Eine Sprachgemeinschaft und doch keine! Warum nicht? Weil das Judentum weder eine allen gemeinsame Kultur noch eine allen gemeinsame Sprache kennt; viele Juden können kein Hebräisch oder Jiddisch.

- Eine Religionsgemeinschaft und doch keine! Warum nicht? Weil nicht wenige Juden - auch in Israel nicht an Gott glauben und behaupten, ihr Judentum hätte mit Religion nichts zu tun; andere sind zwar religiös, lehnen aber die Beachtung der Halacha, des jüdischen Religionsgesetzes, für sich ab." (Küng, Hans [1991:45])

Was ist das Judentum? Vielleicht liegt die Antwort in der jüdischen Geschichte, die deutlich macht, dass das Judentum eine theozentrische Erfahrungs- und Schicksalsgemeinschaft all jener ist, die ihre Abstammung auf Jakob, genannt Israel, zurückführen und die in ihrer 3.000 jährigen Geschichte das Banner des Monotheismus trugen und tragen. Ob es sich um religiöse oder nichtreligiöse Juden handelt: Gott und das Ringen mit Ihm ist Zentrum und Bindekraft der jüdischen Identität. Es heißt in der Tora und im Qur'an:

Dann redete der Ewige alle diese Worte wie folgt: „Ich bin der Ewige, dein Gott, der ich dich aus dem Land Mizrajim geführt habe, aus dem Hause der Sklaven. Du sollst keine anderen Götter haben vor meinem Angesicht. Du sollst dir kein Götzenbild machen, auch keine ähnliche Gestalt von dem, was oben im Himmel und unten auf der Erde oder im Wasser unter der Erde ist. Du sollst dich vor ihnen nicht verbeugen, auch sie nicht gottesdienstlich verehren. Denn ich, der Ewige, dein Gott, bin ein eifervoller Gott (der keinen anderen neben sich leiden kann) (...). (Ex 20, 1-5)

Und siehe! Wir nahmen dieses feierliche Versprechen von (euch) den Kindern Israels an: „Ihr sollt keinen außer Gott anbeten; und ihr sollt Gutes tun euren Eltern und euren Verwandten und den Waisen und den Armen; und ihr sollt zu allen Leuten auf gütige Weise sprechen; und ihr sollt beständig das Gebet verrichten und ihr sollt ausgeben aus Mildtätigkeit." (Qur'an 2: 83)"

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