Kernethos von Judentum und Islam I
1. Die monotheistische Poesie von der Erschaffung des Menschen erklärt, wer er ist und in welcher Beziehung er zu Gott, zur Schöpfung und den anderen Menschen steht.
2. Tora und Qur'an haben von Anfang an einen universellen Horizont. Hans Küng stellt klar: „Es geht um den einen Gott, außer dem es keinen anderen gibt, und damit auch um den Menschen, jeden Menschen: nicht etwa nur um ein einziges Volk, sondern um die Menschheit als ganze." (Küng, Hans [1991:59])
3. Die Würde des Menschen ist heilig und daher muss jeder Mensch menschlich behandelt werden - ohne Unterschied von Alter, Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, körperlicher oder geistiger Fähigkeit, Sprache, Religion, politischer Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft. Jeder Gottesgläubige muss sich verpflichtet fühlen, diese Würde zu achten und zu schützen. Der Mensch muss immer Subjekt sein, darf niemals als Zweck oder Mittel, angesehen werden.
4. Zum Menschsein gehört sein Recht, sich zu entfalten und die Freiheit, die eigenen Gedanken öffentlich zu äußern.
5. Diese Freiheit muss der Mensch mit Verantwortung paaren. Der Mensch soll Gutes tun und Böses unterlassen.
6. Hochmut, Verachtung und Egoismus sind Wurzeln des Bösen und daher verwerflich. Sie sind zu verurteilen, da sie dazu führen, dass die Würde anderer Menschen als gering geachtet wird. Jedoch sind Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung legitim, solange sie nicht von der Verantwortung gegenüber den Mitmenschen losgelöst wird.



