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Kernethos von Judentum und Islam II

„Durch alle Zeiten hindurch haben die Propheten den Glauben an den einen Gott gelehrt. Gott legte Moral und Gesetz für die jeweilige Religionsgemeinschaft fest. Unter Gott als Gläubiger zu leben, bedeutete sich an diese Moralgesetze zu halten, die damit eine einzigartige Bindekraft besitzen. Das Beispiel Abels, des Sohnes Adams nimmt die Gläubigen des Judentums und der Islams in die Pflicht eine Kultur der Gewaltlosigkeit zu etablieren, die ein Beispiel für alle anderen Menschen sein soll. Eine Besonderheit wie auch die Verfasstheit der beiden Religionsgemeinschaften.
Die Kain-Abel-Erzählung bzw. die Erzählung von den beiden Söhnen Adams gehört zu den großen religiösen und ethischen Erzählungen der Menschheit. Aus ihr vernehmen die Gläubigen die Weisung: Du sollst nicht töten! Oder positiv formuliert: Hab Ehrfurcht vor dem Leben. Die abrahamitischen Religionen haben versagt, dieser Weisung zu folgen. Sie haben Kriege mit verursacht, anstatt neue Wege der Konfliktregulierung zu gehen. Sie haben Mord entschuldigt, sie haben Töten legitimiert und Kriege mit religiösen Weihen versehen. Besinnen wir uns also neu auf diese alte Weisung:

1. Jeder Mensch ist von Gott mit Würde ausgezeichnet.
2. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, körperliche und seelische Unversehrtheit.
3. Jeder Mensch hat das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt.
4. Kein Mensch hat das Recht, die Würde eines Menschen abzustreiten.
5. Kein Mensch hat das Recht einen Menschen physisch oder psychisch zu quälen, zu verletzen oder gar zu töten.
6. Keine Mehrheit hat das Recht eine Minderheit zu diskriminieren, zu exilieren oder gar zu liquidieren.
7. Die Gläubigen der abrahamitischen Religionen sind aufgefordert, sich für eine gewaltlose und friedliche Konfliktregulierung einzusetzen.
8. Ohne eine friedliche Konfliktregulierung, gibt es kein Überleben für die Menschheit.
9. Der Mensch ist nicht für die Religion da, sonder die Religion für den Menschen."

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